Mittwoch, 29. September 2010

Es herbstet!

Die letzten Tage haben keinen Spaß gemacht! Es hat unaufhörlich geregnet und gewindet. In Nicaragua herrschte Herbst. Für mich bedeutete das, Pullover über Pullover anziehen (der Patagonia-Pulli ist göttlich, Papa!) und viel Tee trinken, um nicht krank zu werden. Es herrschten wahrscheinlich um die zwanzig Grad, doch die viele Nässe und der Wind machten diese zwanzig Grad sehr ungemütlich. Ich scheine auch schon an andere Temperaturen gewöhnt zu sein, sodass ich schneller friere.
Alles war nass und nichts trocknete, sogar meine Bettwäsche fühlte sich klamm an. Gleichzeitig bedeutet viel Regen, dass wir kein Wasser im Haus haben. Wenn wir Glück hatten, gab es morgens gegen sechs Wasser und wir konnten duschen und ein bisschen Geschirr spülen. Ich habe beinah Routine darin bekommen, mit Regenwasser die Toilette abzuspülen und mir die Hände zu waschen. Leben ohne Wasser ist sehr unkomfortabel! Es fehlt an allen Ecke.
Heute hat es schon weniger geregnet und es war ein paar Grad wärmer. Immernoch ist der Himmel stark bewölkt, grau und trist und Nebelwolken umgeben die Hügel. Wir hatten lediglich über Mittag kein Wasser. Morgens konnte ich „genüsslich“ duschen (so wie das eben geht bei einer kalten Dusche am kalten Morgen) und ich habe es gewagt ein bisschen Wäsche zu waschen.
Diese ungemütlichen Tage hatten wir dem Hurricane Matthew zu verdanken. Aber ich sollte mich nicht beschweren, denn ein Hurricane kann ja wesentlich größeres Unheil bedeuten!
Doch was für mich nur fehlendes Wasser und ein bisschen Frieren bedeutete, bedeutete für andere Menschen hier ein überschwemmtes Haus und noch viel mehr Kälte und Nässe!
Ich konnte mir einen Tee kochen, mich warm anziehen, mich in mein Bett zurückziehen und das Scheißwetter vorbeigehen lassen. Andere Menschen mussten weiter auf der Straße ihre Pesos verdienen und wenn sie abends zurück zu ihren Hütte kamen, konnten sie sich vielleicht nicht aufwärmen und sich etwas Stärkendes kochen. Kaum machte ich mir das bewusst verging mein Ärger über die Situation und ich merkte, wie wenig mir der Regen eigentlich schadete.
Ich habe die letzten Tage als sehr unkomfortabel empfunden, doch nach zweieinhalb Tagen war ich fast soweit ja zu der Situation zu sagen. Es ist ja wirklich nichts Bedrohliches und man kann damit umgehen. Man kann vielleicht nur nicht so gut mit dem Groll umgehen, den man selbst gegenüber den Umständen entwickelt. Das ist also die Einsicht nach drei Tagen ohne Wasser. Und ich werde bestimmt noch Gelegenheit haben, sie nochmal zu nutzen.

1 Kommentar:

  1. hier herbstet es auch.
    ich lebe mich ein in meiner wohnung und lebe aus kisten. auch unkomfortabel aber ganz ganz anders.

    ich denk an dich <3

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