Donnerstag, 23. September 2010

Nicht sicher, wie sicher bin ich..

22 Uhr abends, ich höre Grillen, einen Hahn, und dumpfe Musik. Ich würde jetzt gerne zum Fluss gehen, der nur ein paar Schritte von meiner Wohnung entfernt ist und ihn ein bisschen entlang spazieren. Doch grade am Fluss sollte ich mich Nachts lieber nicht aufhalten. Das Bewusstsein um die Gefahren hier und ein Gespür für den richtigen Umgang mit ihnen muss ich noch gewinnen. Zum Beispiel wache ich in der einen Nacht auf, weil ich merkwürdige Geräusche höre und habe riesige Angst. Dann frage ich mich, wie ich mich schützen kann, wünsche mir ein Messer unter mein Kopfkissen, ein Schloss vor die Tür und ein Gitter vor mein Fenster. Kann mich kaum bewegen vor Angst. Zwei Tage später ist alle Angst verflogen und schon vernachlässige ich meine Sorge.
In den letzten Tagen wurde mir auch viel deutlicher bewusst, wie vorsichtig ich mit meiner Tasche auf der Straße sein muss. Nachdem mir Räucherstäbchen aus der Tasche gezogen wurden, ein Verlust, den ich verkraften kann, wurde Janek die Geldbörse aus der Hosentasche geklaut. Gestern dann haben ein paar Jungen versucht, Larissa zu beklauen, auf offener und belebter Straße haben sie ihr in den Beutel, welchen sie an der Seite trug, gegriffen. Und es ist kaum vorstellbar, doch man kann nicht schnell genug reagieren, um es zu verhindern. Man weiß kaum, wie einem geschieht und schon wurde man beklaut. Ich bin froh, dass mir nicht mehr als diese Räucherstäbchen geklaut wurden, denn ich muss zugeben, derartig vorsichtig bin ich nicht gewesen. Es passiert schnell, dass ich mal vergesse, die Tasche wieder zu schließen oder sie nah an meinem Körper zu tragen, sie mit dem Arm zu bedecken. Dazu ist ständige Aufmerksamkeit gefragt, daran muss ich dringend arbeiten.
Manchmal finde ich es schade, dass wir so sehr im Zentrum wohnen. Weiter außerhalb wäre es wohl ruhiger, vielleicht hätten wir dann auch ein bisschen Natur vor der Tür. Doch es wird immer wieder gesagt, dass wir dadurch, dass wir hier wohnen, sehr viel sicherer leben. Die Straßen sind Nachts belebter und heller, einige Geschäfte an der nahen Calle Central werden von Wachpersonal bewacht und man munkelt, es gäbe sogar einen Nachtwächter an der Universität gegenüber.
Bewacht wird tagsüber sowieso beinah jedes Geschäft im Zentrum. Diese Männer tragen Uniform und sind bewaffnet. Ihre Seriosität verlieren sie für mich immer dann, wenn sie mir hinterherzischeln oder in verführerischer Stimme „Hola Chelita!“ säuseln. Ebenso habe ich mein Vorschussvertrauen in die Polizei (das war sowieso sehr großzügig von mir) verloren, als ich von vier Polizisten aus einem vorbeischleichenden Polizeiauto mit angeschalteten Blaulicht angemacht wurde.
Ich glaube, ich muss mir hier selbst die Nächste sein. Ganz nach diesem Motto liegt nun ein Küchenmesser an meinem Bett. Larissa fürchtet, ich werde sie erstechen, wenn sie eines Nachts in mein Zimmer kommt. Ich will vorsichtig sein und nicht wahllos zustechen.

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